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Alles Müll, oder was? Der Plastik-Werbeartikel und seine Zukunft

11.06.2018 14:16 Uhr PSI
Alles Müll, oder was? Der Plastik-Werbeartikel und seine Zukunft | Alles Müll, oder was? Der Plastik-Werbeartikel und seine Zukunft

Alles Müll, oder was? Der Plastik-Werbeartikel und seine Zukunft

Seit 1972 ist der 5. Juni alljährlich zum Weltumwelttag avanciert. Im Visier des diesjährigen Aktionstages stand der Plastikmüll, an dem unser Blauer Planet zu ersticken droht. Die EU bereitet Verbote für bestimmte Plastikprodukte vor. Was bedeutet das für Werbeartikel aus Kunststoff und damit für rund ein Drittel der Werbeartikelindustrie?

Um es vorwegzunehmen: Sie werden hier nichts über das Ableben der Plastik-Werbeartikel lesen. Wohl aber über den Stand der Dinge und die gravierenden Veränderungen, mit denen sich nicht nur Produzenten und Importeure sowie Vertreiber und Anwender von werblich eingesetzten Kunststoffprodukten langsam auseinandersetzen sollten.

Natürlich lesen sich Texte über Prosperität und wie toll uns alle finden sehr viel angenehmer. Dafür gibt es in unserem Markt auch genügend Angebote. Hier wollen wir aber stets auch den Blick über den rosa gefärbten Tellerrand heben und den Diskurs über unsere Branche führen, auch wenn’s bisweilen weh tut.

In unserer mehrteiligen Betrachtung nähern wir uns in Teil 1 der Frage nach der eigentlichen Problematik: Worum geht es? Die Diskussion um Kunststoff wird selten sachlich geführt. Daher geht es zunächst um Faktensichtung und Argumente. Eine komprimierte Bestandsaufnahme.

Die Dimensionen des Plastikmülls …

… sind kein Pappenstiel. Alleine in der EU produzieren wir davon 26 Millionen Tonnen. Jährlich. Weltweit werden etwa 260 Millionen Tonnen Kunststoff jährlich produziert. 10 Prozent davon gelangen in unsere Äcker, Flüsse und Meere. Jährlich!

Auch wenn insbesondere die Deutschen weltmeisterliche Mülltrenner sind: Am Ende des Tages wird nicht einmal ein Drittel der Plastikabfälle wiederverwertet. Der größere Rest wird verbrannt, auf Mülldeponien gelagert oder vom Verbraucher direkt in die Umwelt entsorgt.

Unsere Meere ersticken am Plastikmüll, der sich in bislang fünf so genannten Müllstrudeln zu treibenden, kreiselnden Teppichen zusammengeballt hat. Die Dimensionen sind gewaltig. So wird alleine der Nordpazifische Müllstrudel (Great Pacific Garbage Patch) auf eine Größe zwischen 700.000 bis 15.000.000 km² geschätzt.

Im extremsten Fall kommt alleine dieser Müllstrudel in seiner Ausdehnung Russland (17.100.000 km²) als dem größten Land der Welt nahe. Und selbst in seiner geringsten angenommenen Ausdehnung ist er schon größer als Frankreich (643.801 km²), dem größten Land der EU. Und das Blöde: die Strudel wachsen.

Der Konfetti-Effekt: Mikroplastik

Laut EU hat das Wegwerfplastik am gesamten Müllaufkommen an den europäischen Stränden einen Anteil von bis zu 85 Prozent. Davon wiederum entfällt rund die Hälfte auf Wegwerfartikel zur einmaligen Nutzung.


Keine Angst (obwohl einem schon bei diesen Zahlen angst und bange werden kann), wir steigen jetzt nicht in eine wissenschaftliche Abhandlung des Problems ein. Wir kratzen nur ganz leicht an der Oberfläche und damit am Mikroplastik. Hatten wir schon Mal, das Thema. Bei den Wegwerfbechern nämlich, wie sich vielleicht die eine oder der andere erinnert.

Zeitgenossen mit Ordnungssinn fürchten Konfettiregen aller Art. Schließlich wandern die kleinen Teilchen gerne in alle Richtungen und bis in die kleinsten Ritzen auseinander, wo man sie oft noch nach Jahren wiederfindet.

Allgegenwärtig

Ähnlich verhält es sich bei Mikroplastik. Nur dass das die Teilchen Jahrhunderte überdauern und ihren Weg bereits zurück in unsere Körper als Konsumenten und Verursacher gefunden haben. Zum besseren Verständnis: Mikroplastik ist der Sammelbegriff für alle Plastikteilchen von 5 Millimetern abwärts bis zu unsichtbaren Krümelchen im Nanometerbereich.

Diese Teilchen haben sich zwischenzeitlich über die gesamte Erdkugel verbreitet. Sogar bis in die Arktis. An unseren Stränden ist in der Spitze bereits jedes 10. “Sandkorn” aus Plastik. An gefressenen Plastikteilen verenden Vögel wie Fische.

Zurück an den Absender: die Nahrungskette

Aber nicht jeder Fisch stirbt am Verzehr von Plastikteilchen. Vorher stirbt er, gefangen als Teil unserer Nahrungskette. Mikroplastik ist inzwischen in allen Meeresbewohnern nachweisbar und gelangt auf unsere Teller in Form von Fisch, Fischstäbchen sowie Krusten- und Schalentieren. Egal ob fangfrisch oder als Tiefkühlkost.

Mikroplastik schwimmt in Bier und Mineralwasser und bildet eine unerwünschte Anreicherung in Salz, Honig und anderen Lebensmitteln. Verdunstung und Regen machen das möglich. Für Tiere endet eine hohe Aufnahme von Mikroplastik tödlich. Für den Menschen existieren dazu noch keine belastbaren Studien.

Wachsende Ablehnung

Vor diesem Hintergrund und zwangsläufig wachsender Publizität also kein Wunder, das politischer Druck wie auch die öffentliche Meinung den Kunststoff in ein unheilvolles Licht gerückt haben. Dabei ist Kunsttstoff per se nicht gut oder böse.

Schuld am miesen Image ist auch die Industrie selbst, die trotz zunehmenden und gerne auch polarisierenden Gegenwindes auf Teufel komm raus und hochprofitabel Einweg produziert hat und dabei auf den gedankenlos wie bequem zugreifenden Konsumenten zählen konnte.

Beim Konsumenten hat sich die Einstellung zwischenzeitlich langsam, aber messbar geändert. Indizien: die wachsende Zahl von “Plastik-freien” Onlineshops und Verpackungs-freien stationären Ladengeschäften sowie eine stattliche Zahl an Kunststoff-kritischen bis –feindlichen Websites.

Das EU-“Plastikverbot”

Hinzu kommt aufgebauter Druck duch die EU-Kommission, Stichwort “Plastikverbot”. So plant die EU, bestimmte Plastikprodukte wie Plastikgeschirr, Plastikstrohhalme, Wattestäbchen und Luftballonhalterungen mit einem Verbot zu belegen und an den Stellschrauben für Recyclingquoten zu drehen.

Was genau dahinter steckt, wie sinn- und effektvoll diese Pläne sind, wie man es vielleicht besser machen könnte und was für die Werbeartikelbranche daraus auf jeden Fall abzuleiten ist, untersuchen wir im nächsten Teil unseres Plastikreports.

Credits: Umwelt Bundesamt

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