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Corona-Krise: So rüstet sich die Branche

04.03.2020 18:12 Uhr Branche
 | © Kadmy - stock.adobe.com

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Die Corona-Pandemie ist da. Ihr Urspung liegt in China, das mit den enormen Auswirkungen der Krise auf Menschen, Gesellschaft und Wirtschaft kämpft. Die wirtschaftlichen Folgen sind inzwischen weltweit spürbar, auch hierzulande geht die Angst um. Was bedeutet die Corona-Krise für die Werbeartikelbranche, die vielfältig und intensiv mit ihrem wichtigsten Sourcing-Land China verbunden ist? Wie reagieren Importeure auf die aktuelle Situation?

Marcus Sperber, elasto: „Zurzeit bedienen wir aus Lagerbeständen.“

Zuerst ein paar Fakten: In die Büros kommen die Menschen nach den verlängerten Chinese New Year Ferien langsam zurück. Die Produktion läuft auf etwa 20 Prozent, Ende des Monats soll wieder voll gearbeitet werden. WHO und Robert Koch Institut sagen übereinstimmend, dass Produkte grundsätzlich keine Virusträger sind. Ich kenne niemanden, der jetzt nach China fährt. Neuheiten werden in China erst zwei bis drei Monate später gezeigt werden können. Die Ansteckungswelle scheint in China nachzulassen. Fast die Hälfte der Infizierten ist wieder zuhause. Zurzeit bedienen wir aus Lagerbeständen, Verzögerungen in der Lieferkette wird es aber geben. Wenn sich die Dinge in China zum Besseren wenden, werden die Probleme aber recht überschaubar bleiben. Unsere Kunststoff-Produktion hier am Standort verzeichnet eine deutlich gestiegene Nachfrage. Es gibt also auch positive Seiten. Eine davon ist auch, dass ich derzeit sehr viel mehr Zeit für Kunden und Innerbetriebliches habe, weil alle China-Reisen für die kommenden zwei Monate abgesagt sind.

Armin Halfar, Halfar System GmbH: „Wir sind sehr gut lieferfähig und haben hohe Lagerbestände.“

Wir setzen generell auf hohe Lagerbestände und verzeichnen aktuell Umsatzsteigerungen bei Lagerware. Nicht wenige Aufträge, die normalerweise als Sonderproduktion nach Asien gegangen wären, werden nun mit Lagerware realisiert. Da stimmen wir uns eng mit unseren Werken ab. Wir spüren die Verunsicherung von Mitarbeitern und Kunden. Kunden bzw. Endkunden fordern Stellungnahmen zur Supply Chain, zur Ausfallsicherheit von Werken und Ersatzbeschaffung an – das bedeutet zusätzlichen Aufwand. Die Lieferketten waren durch das Neujahrsfest ohnehin unterbrochen, darauf sind wir routinemäßig vorbereitet mit hohen Beständen an Standard-Lagerware. Der eine oder andere Sondertransport wird sich sicher nicht vermeiden lassen. Wir sind sicher, dass wir die Auswirkung der Krise noch lange spüren werden. Immerhin meldet China inzwischen weniger Neuinfektionen, immer mehr Menschen genesen. Fazit: Wir sind derzeit mit mehr als vier Millionen Taschen am Lager weiterhin sehr gut lieferfähig. Bis vor wenigen Tagen traf immer noch täglich Ware ein, die vor den Neujahrsfestivitäten auf See gegangen ist. Wir sind sicher, dass wir mit unseren guten Beständen und der Mitte März langsam wieder anlaufenden Produktion gut über die Runden kommen werden und lieferfähig bleiben. Wir achten an unseren Standorten zudem sehr auf Hygiene und die Vermeidung von Risikofaktoren. Wir hoffen, dass wir von einschränkenden Maßnahmen verschont bleiben.

Ralf Oster, PF Concept: „Wir liefern planmäßig aus, sind aber für Engpässe gerüstet.“

Bei PF Concept herrscht business as usual und keine Panik, dennoch beobachten und analysieren wir die Situation aufmerksam. Die Auftragslage ist weiterhin gut und wir liefern planmäßig aus. Dennoch gehen wir davon aus, dass wir in den kommenden zwei bis drei Monaten Engpässe managen müssen. Unser Lagerbestand ist ausreichend und durch unsere Organisation vor Ort versuchen wir unsere Topseller zu sichern. Doch selbst wenn einige unserer Key-Produkte ausverkauft sein sollten, können wir durch unsere hohen Lagerbestände und die Breite des Sortiments auf attraktive Alternativen verweisen. Das reicht für eine lange Übergangsperiode aus und so können wir auch eine mögliche Verknappung sehr gut im Kundeninteresse managen. Unser Vorteil ist unsere seit langem starke persönliche Präsenz in China und anderen asiatischen Ländern. Nach der Wiederöffnung der Fabriken genießen wir eine privilegierte Behandlung aufgrund langjähriger, enger Beziehungen zu den Lieferanten. Mit Lieferanten außerhalb Chinas gibt es bislang keine Liefer-Verzögerungen. Hier kommt uns zugute, dass unser Mutterkonzern Polyconcept schon seit einigen Jahren sehr erfolgreich Lieferketten außerhalb Chinas aufgebaut hat, um gewohnte Qualität und Service sicherstellen zu können. Um unsere Mitarbeiter zu schützen, haben wir interne nationale Notfallpläne für die verschiedenen Länder erstellt. Wir orientieren uns dabei an den Hygieneempfehlungen des Robert Koch Instituts sowie nationalen behördlichen Instituten. Mitarbeitern empfehlen wir, nicht zu reisen, verbieten es aber auch nicht. Wenn die Situation noch drei bis vier Monate unverändert bleibt, werden wir die Lage mit den dann aktuellen Erkenntnissen neu bewerten müssen.

Karin Pfrommer, nestler-matho: „Intakte Lieferkette, gut gefüllte Lager, zögerliche Kunden.“

Schon ganz zu Anfang des Corona-Ausbruchs wollten besorgte Kunden wissen, ob von chinesischen Produkten eine Gefahr ausgeht. Da konnten wir nach einhelliger Expertenmeinung Entwarnung geben. Unsere Lieferketten sind bislang noch intakt, zumal wir – bis auf eine Ausnahme – keine Lieferanten im Krisengebiet haben. Bei diesem allerdings gibt es eine Lieferverzögerung. Wie üblich haben wir auch in diesem Jahr darauf geachtet, dass die Waren noch vor dem Neujahrsfest auf den Weg gebracht wurden, so dass unsere Lager gut gefüllt sind. Von daher gibt es also keine Einschränkungen. Die meisten Arbeiter sind auch wieder zurück und die Produktion läuft vielerorts wieder an. Wir stehen in täglichem Kontakt mit den Lieferanten und geben Infos an die Kunden weiter. Unsere Reisen haben wir abgesagt und gehen davon aus, dass wir erst im Oktober wieder Messen besuchen. Vertrieb und Außendienst registrieren ein eher zögerliches Kaufverhalten: Manche Branchen wie etwa Tourismus, Verkehr und Gastronomie sind verunsichert und warten erst einmal ab, wie sich die Lage entwickelt. In unserem Unternehmen sind alle vorsichtig, aber wir bleiben locker.

Meinhard Mombauer, reflects: „Wir reagieren mit Sachverstand und klugem Handeln.“

Bei unseren Kunden merkt man deutlich, dass die anfängliche Verunsicherung mehr und mehr der Besonnenheit weicht. Ich bin froh, dass offensichtlich auch das Momentum der Verlässlichkeit nach wie vor stark im Markt verankert ist. Wo nur der Preis regiert hat, ist das Klima sicher schlechter. Es ist Aufgabe eines Unternehmers, auch in der Krise nach Chancen zu suchen. Wir tun das und rücken noch näher an unsere Kunden, wir überprüfen auch Zulieferer und Lieferketten. Grundsätzlich fühlen wir uns bei dem Thema aber gut aufgestellt, denn wir sind vor Ort in Asien seit vielen Jahren und auch hierzulande beim Handel gut vernetzt. Deshalb funktionieren unsere Lieferwege auch, etwas langsamer, mit mehr Aufwand und mit hier und da kleinen Mengen-Reduzierungen. Sicher müssen wir mit dem Thema Corona-Virus sorgsam und mit erhöhter Vorsicht umgehen. Das tun wir auch im Unternehmen. Wie diverse Medien aber, besonders in Deutschland, das Thema behandeln, halte ich für verantwortungslos. Da wird nicht sachlich informiert, sondern Angst geschürt, damit Klicks, Einschaltquoten und Auflagen steigen. Dem müssen wir Sachverstand und kluges Handeln entgegensetzen – und genau darauf können sich unsere Kunden verlassen. 

Dolf Blomhert, Giving Europe: „Wir sind durch unser Netzwerk gut aufgestellt.“

Obwohl das Thema Coronavirus die Schlagzeilen in den internationalen Medien beherrscht, können wir mit Blick auf die Geschäftstätigkeiten keine Krise oder erwähnenswerte Veränderungen im Vergleich zu vergangenen Monaten feststellen. Unsere großen Lagerbestände sind auch auf kurzfristige Lieferungen ausgelegt. Wir stehen in engem Kontakt mit unseren Kunden bezüglich deren Verpflichtungen, um sie auch mittelfristig bestmöglich beliefern zu können. Auch dafür sind unsere Lagerbestände gerüstet. Momentan spüren wir keine gravierenden Änderungen in der Lieferkette, einmal abgesehen davon, dass das Tagesgeschäft mit China betroffen ist. Wir hoffen sehr, dass unser operatives Geschäft mit China in den kommenden Wochen wieder in Gang kommt. Wie dem auch sei, es ist unmöglich abzuschätzen, wie lang die gegenwärtige Situation andauern wird. Wir stehen mit unseren Lieferanten im täglichen Kontakt, um mögliche Entwicklungen im Blick zu behalten. Im Laufe der vergangenen 55 Jahre haben wir ein umfangreiches Netzwerk aus Lieferanten und Produktionsstandorten rund um die Welt geschaffen. Wenn wir spüren, dass der Druck auf Produkte aus China wächst, können wir sofort auf andere Standorte zurückgreifen, die weniger von dieser Krise betroffen sind. In jedem Fall werden wir alles daran setzen, unsere Kunden so gut wie möglich zu bedienen.

Sascha Thielen, TLN Trade Company GmbH: „Komplette Auswirkungen sind nicht absehbar.“

Seit dem 28.02.2020 laufen unsere Produktionen zum größten Teil wieder, aber kleinere Einschränkungen bestehen noch. Aktuell halten wir eine größere Menge an USB Sticks, Powerbanks, RFID Karten lagernd bzw. haben den Lagerbestand erhöht. Wir gehen zwar von einer Normalisierung der Produktion ab Mitte/Ende März aus, schließen aber auch nicht aus, dass es gegebenenfalls zu längerfristigen Lieferengpässen kommen kann. Den weiteren Jahresverlauf abzusehen ist schwer, wir rechnen aber mit einer insgesamt eher schwierigen Situation, Einbußen und einer sich abschwächenden Konjunktur. Die kompletten Auswirkungen des Coronavirus auf die gesamte Wirtschaft wird man aber vermutlich erst im Mai/Juni sehen können.

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