Thomas Hertranft: Vom Leutnant zum Manager
06.07.2010
Thomas Hertranft
Wer Thomas Hertranft, 42, heute gegenübersitzt, der kann sich ihn kaum in Uniform und Gleichschritt vorstellen. Aber der Geschäftsführer des großen Kalenderherstellers Lediberg steht zu seiner Vergangenheit in der NVA, der Armee der DDR, wo er Maschinenbau und Luft- und Raumfahrt studierte. Als die Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten fiel, ist er auf eigenen Wunsch aus der Armee ausgeschieden und hat ein BWL-Studium draufgesetzt. Ausgestattet mit dem Wissen um Markt und Wettbewerb ging er zum Kalenderhersteller Lediberg. Als „einfacher" Verkäufer hat er angefangen. Die Frage, ob das nicht unter Ausbildungsniveau gewesen sei, beantwortet er mit einem entschiedenen Nein. Hertranft ist froh, dass er seinen Job von der Pike auf gelernt hat. Der heutige Geschäftsführer hat dort gleich einen ganzen Außendienst aufgebaut. Dies hat er mit Ruhe, Besonnenheit und strategischem Gespür getan. Er sieht sich vieles lieber aus der zweiten Reihe an, analysiert, bewegt und initiiert, um dann in der ersten Reihe für Aufgabe und Verantwortung zur Verfügung zu stehen.
Schnell entwickelten sich neue Exportmärkte: Norwegen, Schweden, Holland traten in den Blickpunkt des Lediberg-Verkaufs, auch die Schweiz, Polen und Ungarn kamen hinzu. Nicht mehr als konsequent, dass Thomas Hertranft 1997 zum Exportleiter des Kalenderherstellers aufstieg. Heute liefert Lediberg Lemgo in über 29 Länder. Bereits zwei Jahre später wurde Hertranft Prokurist und Mitglied der Geschäftsführung. Auch das Mutterunternehmen Lediberg selbst ist noch ein recht junges Unternehmen. Es hat wenig verknöcherte Strukturen, was Hertranft gerne unterstreicht, da dies viel Gestaltungsfreiraum gibt. Seit 1965 gibt es erst Lediberg in Bergamo in Norditalien. Gegründet wurde es von Lindo Castelli, einem Kalendermann und Technik-Fanatiker. Er hatte immer die neuesten und innovativsten Druckmaschinen und damit Kapazitäten, die allein in Italien nicht abzusetzen waren. Mit dem inzwischen verstorbenen Wilfried Schachtsiek und dem späteren Vertriebsleiter Kurt Zurheide hatte er zwei Zugpferde gefunden, die Lediberg Deutschland schnell nach oben brachten. Und dieses Modell - Produktion in Italien, Veredlung und Service im betreffenden -, nationalen Markt, das machte bei Lediberg bald Schule. Inzwischen sind 12 Ländergesellschaften nach diesem Vorbild entstanden und gut aufgestellt.
Hertranft ist zuversichtlich, was die Zukunft des Kalenders angeht. Zuversichtlich stimmt den Lediberg-Geschäftsführer, die Position hat er seit 2007, dass die Absatzzahlen im Fachhandel „ungebrochen" sind. Auch von dort bekommt er das Signal, dass ein Großteil der Verbraucher den traditionellen Kalender immer noch und vielleicht sogar immer mehr einsetzt.

