Robin Cornelius: „Weniger ist mehr"
14.03.2011
Robin Cornelius
„Weniger ist mehr"
Robin Cornelius begann vor 30 Jahren, bedruckte T-Shirts und Sweatshirts an die Universität Lausanne zu liefertn, inzwischen hat er daraus sein Unternehmen Switcher aufgebaut, das zu den Vorreitern nachhaltiger Textilproduktion zählt. Locker nach außen, aber dennoch sehr konzentriert, spricht er über die Vision, die er in seinem Unternehmen umsetzt: Die erste leistungsfähige und rentable Textilgruppe zu werden, die nachhaltige Entwicklung weltweit integriert und die Herkunft ihrer Produkte transparent macht.
Mit Nichts begonnen
Man kann es sich kaum noch vorstellen: 1981 steckten die meisten Studenten in unförmigen Sweatshirts im amerikanischen College-Stil und auch die T-Shirts, die man damals trug, machten nicht viel her. Dies fiel Robin Cornelius, damals Student der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Lausanne, sofort auf. Also ließ er eine erste „Kollektion" produzieren, die aus zwei Modellen bestand: einem gut sitzenden und dennoch bequemen Sweatshirt sowie einem T-Shirt, beides mit dem Uni-Logo bedruckt. Sie fanden reißenden Absatz. Zu dieser Zeit wurde auch die „neue" Trendsportart Jogging erfunden, und dazu brauchte man eine bequeme Hose aus Sweatshirtstoff mit Bündchen, die Cornelius in sein Sortiment aufnahm. Das Geschäft lief und ein Händler-Netz wurde aufgebaut, um die ständig wachsende Kollektion zu vertreiben. Das Business wurde nach und nach professioneller: 1985 wurde das Switcher-Colour-System eingeführt, das dem Handel die gleichen Farben garantierte, und schon ein Jahr später wurde in Mont-sur-Lausanne, damals wie heute Firmensitz, ein Dauer-Lager geschaffen. Bereits 1984 bezog Switcher Textilien aus Indien und nahm 1987 die Zusammenarbeit mit seinem indischen Lieferanten Prem Group auf, die seit 2010 Mitaktionär sind. Durch die strategische Allianz von Switcher und der Prem Group Company ist eine der ersten Textilgruppen mit vollständiger Integration aller Stufen vom Baumwollfeld bis zum Kunden entstanden.
Verantwortungsbewusst von Anfang an
Robin Cornelius' Vision der nachhaltigen Textilproduktion entsprang dem Zeitgeist der frühen 1990er-Jahre, als sich die Globalisierung beschleunigte und die Welt sich der gegenseitigen Abhängigkeit ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Fragen zunehmend bewusst wurde. Die globale Arbeitsteilung mit ihren ökologisch und sozial problematischen Produktionsbedingungen in den Entwicklungsländern war auch für Cornelius ein Thema, denn immerhin arbeitete er schon damals eng mit indischen Partnern zusammen. Von Anfang an war er sich seiner sozialen Verantwortung gegenüber den Produzenten bewusst und rief Projekte ins Leben, um Bildung und Eigenentwicklung zu fördern. Schon lange bevor 2004 die Switcher-Stiftung gegründet wurde, hatte er beispielsweise so genannte Mobile Schools eingerichtet. In ausrangierten Bussen tourten Lehrer durch die Dörfer und gaben Unterricht. Immer wieder gelang es ihm, Kooperationspartner zu finden, die diese Initiativen unterstützten, so zum Beispiel die Band „Die Toten Hosen", die heute einen der Ausbildungsbusse sponsern. War das soziale Engagement anfangs noch eher spontan, so bekam es unter dem Dach der Switcher Foundation klare Strukturen: Die Switcher-Gruppe ist ein kommerzielles Unternehmen, die Switcher-Stiftung wurde für den planvollen Einsatz der Spenden zugunsten der Sozial- und Umweltprojekte von Switcher gegründet. An Ideen mangelt es nicht: Jüngstes Projekt ist zum Beispiel ein Gymnasium für 600 Schüler. Ebenfalls sinnvoll: 33 Windräder versorgen die Baumwollspinnerei mit eigener Energie.
Ein Teil des erzeugten Stroms wird verkauft, der Erlös fließt in die Projekte. Die Switcher-Stiftung folgt dem einfachen, transparenten Prinzip: Spenden werden komplett einem Projekt zugeteilt, während die Switcher SA die meisten Verwaltungs- und die laufenden Kosten trägt.
Nachhaltigkeit, Offenheit und Transparenz
Von Anfang an richtete Cornelius die Unternehmenspolitik nach seinen Grundsätzen aus. Die Eckpunkte der Unternehmensgeschichte lesen sich wie ein Stichwortverzeichnis nachhaltigen, unternehmerischen Handelns, das sich nicht nur in den externen Beziehungen, sondern auch in der eigenen Firmenkultur widerspiegelt. Alle Lieferanten werden regelmäßig auditiert und klassifiziert. 1998 wird der Switcher-Verhaltenskodex für die Lieferanten von Textilerzeugnissen erarbeitet. 2001 erhielt die Prem Group die durch die SAI zuerkannte SA-8000-Zertifizierung, 2002 den Corporate Conscience Award (CCA). Auch die Vertriebsnetze für den Mode-Einzelhandel (AllIncluded) und für Firmenkunden (SwitcherNet) unterliegen strengen Qualitätskriterien. 2002 wird das Ausbildungskonzept Hotel**** sowie das Switcher Certificate of Sales für die AllIncluded-Provider eingeführt. 2003 wird der erste Bericht über die soziale Verantwortung des Unternehmens, der CSR-Bericht 2002, veröffentlicht und ein Personalrat etabliert. 2005 entsteht die erste Kollektion aus Bio-Baumwolle und fairem Handel unter der Marke Max Havelaar. Im gleichen Jahr wird die Respect-Inside Compliance-Website (R-ICW) erstellt und das erste Switcher Competence Center eröffnet.
Wertige Kleidung für alle
Zum 25. Jubiläum wurde die gesamte Kollektion überarbeitet, um sie den Bedürfnissen der Kunden anzupassen: Sie bietet T-Shirts, Polos, Sweatshirts, Sportbekleidung, Hemden, Pullover, Jacken und Accessoires für die ganze Familie, die sich durch einen einfachen Schnitt, eine hervorragende Stoffqualität auszeichnen. Alle Erzeugnisse sind nach Öko-Tex-Standard 100 zertifiziert. Die beiden Vertriebskanäle Einzelhandel und Textilgroßhandel, darunter auch die Werbeartikelbranche, nehmen jeweils etwa die Hälfte der Produktion ein. Robin Cornelius macht keinen Unterschied zwischen den Artikeln für den Promotionbereich und denjenigen, die in die Geschäfte gehen: „Wir verkaufen wertige Kleidung aus nachhaltiger Produktion, hinter der ein verantwortungsbewusstes Konzept steht."
Unternehmer und Denker
Robin Cornelius ist durch und durch Unternehmer, aber auch ein Philosoph, der viel über das Leben und die Menschen nachdenkt und klare Werte und Einstellungen hat. Seine Erkenntnisse wird er demnächst in einem Buch mit dem Arbeitstitel „Über das Leben" veröffentlichen. Nachhaltigkeit ist für Cornelius kein Nischenargument, sondern gelebte Normalität. „Unternehmer denken oft zu kurzfristig und nur ans Business. Als Unternehmer sollte man eine politische Vision haben, in dem Sinne, dass man weiter denkt und die Konsequenzen seines Handelns vor Augen hat", gibt er zu bedenken. Sein tägliches Arbeitspensum beträgt 12 Stunden, daneben schreibt er an seinem Buch, liest viel und ist in der Welt unterwegs: Um seine Partner oder Projekte zu besuchen oder auch, um Vorträge zu halten, in denen es um Nachhaltigkeit und Verantwortung geht.

