Francesco Greco: „Individualität hat Zukunft“
11.11.2010
Francesco Greco
Francesco Greco
„Individualität hat Zukunft"
Francesco Greco führt die Lederfabrik Garnier, die sein Großvater 1929 gegründet hat, seit 1990. Seither hat er sie modernisiert, durch geschickte Akquisitionen auf eine solide Basis gestellt und die Produktpalette erweitert. Das Besondere: Werbeartikel und Kleinlederwaren werden ausschließlich auftragsbezogen in Deutschland produziert. Individueller geht es nicht.
Francesco Greco ist durch und durch Familienmensch. Und mit Leib und Seele Unternehmer. Greco lebt und liebt beide Rollen. Ein aufgeschlossener, fröhlicher Mensch und gewissenhafter, fähiger Firmeninhaber, der ein Familienunternehmen erhalten und ausgebaut hat. Und der, wenn alles wie geplant läuft, eine gesunde, leistungsfähige Firma an die vierte Generation übergeben wird, die, wie sollte es anders sein, schon mittendrin im Geschäft ist. Jasmin Greco und ihr Mann Daniel Greco-Ahmadiyan, beide Betriebswirte, sind nach intensiven Jahren der Ausbildung und Auslandserfahrung seit etwa drei Jahren dabei und sammeln ihre Erfahrungen. Und Gabriele Greco hat Buchhaltung und Personalwesen fest im Griff, und das schon seit vielen Jahren. Francesco Greco selbst ist in der Produktion ebenso zu Hause wie in der Beratung. Außerdem ist er der Techniker, der alle Maschinen und Materialien kennt und weiß, was machbar ist und was nicht. Deswegen ist die Produktentwicklung seine Aufgabe.
Tradition als Spezialist Francesco Greco hat nach seiner kaufmännischen Ausbildung zunächst in der Optik- dann in der Elektrobranche gearbeitet, wo er schließlich Einkaufsleiter wurde. „Dann habe ich gesehen, dass es wichtig ist, im Betrieb meiner Eltern etwas zu bewegen", beschreibt er seine Entscheidung, sich um das Familienunternehmen zu kümmern, das sein Großvater mütterlicherseits, Ferdinand Garnier, 1929 gegründet hat. Die Familie geht auf Hugenotten zurück, die schon seit Generationen Handwerksbetriebe besaßen. Die Lederfabrik war anfangs einer der ersten Lieferanten von Schweißbändern für Hüte und Mützen und damit unter anderem Zulieferer der im Gebiet von Bad Homburg ansässigen Hutindustrie. 1963 übernahm Ilse Greco geb. Garnier zusammen mit ihrem Mann Salvatore Greco die Firma, ohne sie jedoch zu verändern. Vor 20 Jahren ging die Firma an den heutigen Inhaber über, der sie in eine GmbH umwandelte und nach und nach diverse Mitbewerber und zum Portfolio passende Betriebe aufkaufte, vor allem Hersteller von Hut- und Mützenzubehör, aber auch eine Firma, die Kleinlederwaren und Werbeartikel produzierte sowie eine Lupenproduktion. Im Rahmen dieses Geschäfts liefert Garnier Lupenetuis und -hüllen für die optische Industrie.
Ausschließlich Made in Germany
„Durch unsere Akquisitionen haben wir die Kapazitäten erhöht, die Produktion gesteigert und unser Sortiment sinnvoll erweitert. So haben wir mehrere Standbeine geschaffen, das sichert Kontinuität. Es macht uns noch unabhängiger und festigt unsere Stellung im Markt. Denn es gibt nur sehr wenige Hersteller in unserem Produktsegment, die so breit aufgestellt sind und so flexibel und kundenorientiert fertigen können", sagt Greco. Diese Aussage gilt für sämtliche Produktbereiche, von denen auch die Werbeartikelschiene profitiert. Prädestiniert durch die über 80-jährige Erfahrung, liegt das Hauptgeschäft der Tradition folgend zwar immer noch im Bereich Lederzubehör und Innenausstattung für Hüte und Mützen - für die Hutindustrie, Uniformmützen aller Art, Helme für Arbeitsschutz, Feuerwehr - doch auch bei Kleinlederwaren, Werbeartikeln, Hüllen und Verpackungen werden große Stückzahlen produziert.
Alle Artikel werden größtenteils in Handarbeit und nur in Deutschland gefertigt. Werkstoffe und Rohmaterialien kommen ausschließlich aus Deutschland oder der EU. Auch auf Nachhaltigkeit wird Wert gelegt und so kommt überwiegend rein pflanzlich gegerbtes Leder zum Einsatz. Auf verantwortungsvolle Produktion legt Francesco Greco größten Wert: Deswegen ist die Lederfabrik auch Mitglied im Netzwerk „Made in happy Germany" und hat sich als solches bestimmten Richtlinien in diesem Sinne unterworfen.
Sinnvolle Vergrößerung
Vor dreieinhalb Jahren zog das Unternehmen aus dem Fachwerkgebäude aus dem 18 Jahrhundert in das Gewerbegebiet Friedrichsdorf-Köppern. Alles war zu klein geworden, denn mit dem Ausbau der Firma war auch der Bedarf an Lagerfläche für Rohware gewachsen. Greco hat stets einen gewissen Vorrat, da die Lederpreise weltmarktabhängig stark schwanken können. So kann er bei niedrigeren Preisen einkaufen und seine eigenen Verkaufspreise eher stabil halten. Gelagert wird ausschließlich Rohleder, keine fertigen Artikel, denn es wird alles nach Kundenangaben produziert. In den weitläufigen Räumen wird auch die Ware für den Werbeartikelhandel veredelt, und zwar mittels Prägung, Folienprägung, Blindprägung und Tampondruck. Bevor die Produktion um sieben Uhr morgens beginnt, hat Francesco Greco oder sein Schwiegersohn bereits die Maschinen eingerichtet und nach dem Rechten gesehen. Für Reparaturen und Wartungen sind Techniker zuständig. „Wir fangen früh an, damit die Ware abends noch verschickt werden kann und am nächsten Tag beim Kunden ist", erklärt Greco diesen straffen Tagesplan.
Gutes Briefing - perfektes Produkt
Der Kunde wird persönlich beraten und betreut und hat mit Francesco Greco nicht nur den Chef, sondern auch den Fachmann vor sich. Auch Jasmin Greco kennt sich bestens aus und führt eigene Projekte durch. So erfährt der Kunde, mit welchem Material und in welcher Form er seine Ideen wirkungsvoll umsetzen kann. Der Background der eigenen Lederherstellung ermöglicht beispielsweise die individuelle „Zurichtung" des Materials, das bedeutet das Einfärben oder Behandeln des Leders nach Kundenwunsch, und das schon ab recht kleinen Mengen. „Ich glaube, dass Individualität künftig noch wichtiger werden wird. Daher sehe ich in maßgeschneiderten Produkten, wie wir sie anbieten, eine Chance für die Zukunft", fasst Greco seine Vision zusammen.
Die Weichen sind gestellt
Francesco Greco schaut zuversichtlich in die Zukunft. Er ist in der glücklichen Lage zu wissen, dass die Weichen richtig gestellt sind und erlaubt sich ab und zu mit seiner Frau einen Kurztrip und sogar einen mehrwöchigen Urlaub. Das war nicht immer so: „Früher waren wir kaum unterwegs, und wenn, dann stand ich immer unter Strom und dachte: Hoffentlich läuft alles ... Da bin ich inzwischen entspannter, denn mit Jasmin und Daniel im Rücken habe ich ein gutes Gefühl." Die Familie Greco verbringt zudem auch gerne ihre Freizeit zusammen: Francesco und Daniel fahren zusammen Motorrad, gelegentlich gehen die beiden Generationen auch mal gemeinsam ihrem Hobby Tanzen nach und Sport machen sie sowieso alle. Und ihre Wohnungen liegen auch nur einen Steinwurf voneinander entfernt.

